Wissenschaft braucht Spiritualität

Wir leben in einer außerordentlich spannenden Zeit. Es scheint, als ob sich alles um uns rum, rasend schnell, verändert und auf einen Siedepunkt zubewegt, von dem keiner weiß, wann er genau erreicht ist, und was dann passiert. Die gigantische Kumulation von Schreckensszenarien hinterlässt bei vielen Ratlosigkeit und Resignation. Finden wir einen Weg aus den vielfältigen selbstgemachten Krisen, die alle miteinander in Verbindung stehen? Geht es weiter und wenn ja, wie? Das chinesische Schriftzeichen für Krise, bedeutet gleichzeitig auch Chance. Nutzen wir die Krise, verwandeln sie in Chancen, in Visionen. Bleiben wir in der Hoffnung für alles Leben.

Warum fällt uns das so schwer? Weil wir dazu tendieren, uns das Denken, das Nachdenken, das Ahnen, das intuitive Wahrnehmen, das „Auf-unser-Herz-hören“ verbieten zu lassen. Wenn uns jemand etwas über Alternativlosigkeit erzählt, wissen wir intuitiv, das dies Bullshit ist. Trotzdem begehren wir nicht auf. Aber wir kennen das aus Erfahrung: Es gibt immer Alternativen, nicht nur ein „Entweder – oder“, sondern immer auch ein „Sowohl als auch“. In den Weh-Rufen gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer des Matthäus-Evangelium mahnt Jesus: „Man muss das eine tun ohne das andere zu lassen.“

Heute scheinen es Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu sein, die uns daran hindern, in unser Herzen zu schauen, optimistisch in die Zukunft zu blicken, Ahnungen und Visionen für ein friedvolles und glückliches Miteinander der Menschheitsfamilie zu entwickeln. Alles wird fragmentiert, zerstückelt und voneinander getrennt betrachtet, ohne auch nur im Geringsten in Erwägung zu ziehen, das alles mit allem verbunden sein könnte.

Die Aufklärung weiterführen

Nichts und niemandem ist damit gedient, in Resignation zu verfallen. Hoffnung schaltet Zukunft. Aufbrechen und voller Willen und Zuversicht, innerlich bebend, bereit sein für einen Paradigmenwechsel, für eine Veränderung unserer Denk- und Verhaltensmuster. Wir tragen das neue Bewusstsein ja schon intrinsisch – inwendig – in uns. Wir müssen uns „nur“ dafür öffnen, es zulassen. Das bedeutet die Abkehr vom alten rational-materialistischen Weltbild hin zu einem neuen undogmatischen wissenschaftlich-spirituellem Erkennen und Erfahren der Welt.

Wenn wir als Individuum und Menschheitsfamilie überleben wollen, ist eine neue Aufklärung oder besser eine Weiterführung der Aufklärung nötig. Um 1700 begann diese Bewegung, die antrat, durch rationales Denken, alle den Fortschritt behindernden Strukturen zu überwinden. Es ereignete sich eine Revolution in den Köpfen, die da vor 300 Jahren begonnen hat und in der sich die Menschen nach und nach von Diktat und Knute der Kirche und der Aristokratie befreit haben. Inzwischen wissen wir, dass wir uns nur in eine neue Abhängigkeit begeben haben – und zwar in die von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant, prägte den berühmten Leitspruch der Aufklärung: „Sapere aude!“ „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“. So wird er gerne übersetzt. Meist wird der lateinische Ausspruch „Sapere aude“ ausschließlich mit Kant in Verbindung gebracht. Doch er stammt von dem antiken Dichter Horaz, der damit sagte: „Wage es, weise zu sein!“ Also hätte Kant auch sagen können: „Habe Mut, dich deiner eigenen Weisheit zu bedienen.“ Vielleicht hätte dies manches verändert.

Die Spaltung beginnt

Verstand und Weisheit – das ist kein kleiner Unterschied, sondern ein entscheidender, wie die nachfolgenden Jahrhunderte und das Denken der Menschen zeigen soll. Denn genau hier finden die Trennung, die Abspaltung, das „Diabolische“ (von entzweien, verfeinden) von etwas statt, das vorher nicht getrennt war. Auf der einen Seite der Verstand, die Ratio, die Materie und die messende Wissenschaft. Auf der anderen Seite, die bald keine große Rolle mehr spielen sollte, steht Weisheit – Intuition – Ahnung – Erkenntnis – Erfahrung – Spiritualität/Religion.

Die Spaltung, das Diabolische, nahm hier ihren Anfang. Es war ein Weg, weg von der Alchemie (frühe Form der Wissenschaft und Naturphilosophie) und von der Universalwissenschaft (die gesamte Wirklichkeit betrachtend), hin zur Einzelwissenschaft. Noch in der Zeit des sog. „finsteren Mittelalters“, im 12. Und 13. Jahrhundert, der Zeit der Hochscholastik, waren mystische Erfahrung und Erkenntnis und wissenschaftliche Erfahrung begrifflich eins. Es wurde etwas auseinander gerissen, das sich gegenseitig bedingt und bedarf.

Mit Fug und Recht können wir heute behaupten: Die mit der Aufklärung aufkommende Trennung von wissenschaftlicher Erfahrung und innerer Erfahrung, hat die Entwicklung des einzelnen Menschen und der gesamten Gesellschaft insgesamt behindert. Das hat genau zu der Welt geführt, wie sie sich uns heute darstellt.

Im Denken der Menschen übernahm die Wissenschaft bzw. der Wissenschaftsglaube bald die Rolle der Religion. Das Gebäude der modernen Wissenschaft basierte jetzt auf zwei getrennten und unabhängigen Bereichen: Materie und Geist. Eine Sichtweise, die fortan Grundlage für alle Wissenschaften war, wobei Geist eine zu vernachlässigende Rolle spielte.

Das Universum als Uhrwerk

Denn unter Descartes („Ich denke, also bin ich“, Begründer des modernen Rationalismus) und Newton (Gravitationsgesetz, Begründer der klassischen theoretischen Physik), entstand ein Weltbild, nachdem das Universum eine gigantische Maschine mit einer mechanistischen Ordnung ist, in der alles vorhergesagt und berechnet werden kann. Wenn überhaupt, dann war die Schöpfung, das Universum das Uhrwerk und Gott ein Uhrmacher.

Dem rational-materialistischen Paradigma hatte sich alles unterzuordnen. Der US-Ökonom Jeremy Rifkin bringt es auf den Punkt: „Alles, was sich nicht in kühler Distanz messen, wiegen, nachverfolgen oder wiederholen lässt, ist wissenschaftlich nicht relevant.“ Ob etwas, das sich diesem verstandesmäßigen Zugang verschließt, dennoch „ist“, sei Sache des Wissenschaftlers nicht und ist daher eine Nicht-Frage, die man besser gar nicht stellt. Glauben heißt nix wissen, sagt der Volksmund. Denn das Spirituelle ist nicht materiell. Man kann es nicht messen und nicht wiegen. Es erschließt sich nur dem inneren Gefühl, der Intuition, dem höheren Bewusstsein, der Transzendenz.

Wunderbar in dieses materialistische Weltbild passte da im 19. Jahrhundert Darwins Evolutionstheorie, die gerne als „Sieg des Stärkeren“ ausgelegt wurde und ein rücksichtsloses kapitalistisches Wirtschaftssystem, das diesem „Naturgesetz“ entsprach. Das Leben der Menschen entwickelte sich zu einem dauernden Konkurrenzkampf und Wettbewerb in dem nur unbegrenztes ökonomisches und technologisches Wachstum den materiellen Fortschritt sichert.

Revolution in der Wissenschaft: Quantenphysik

Tatsache ist leider, dass die meisten von uns immer noch mit dieser rational-materialistischen Denkweise durch die Welt stolpern. Dumm nur, dass diese Denkart seit 100 Jahren den wissenschaftlichen Fakten hinterherhinkt und eine zukunftsfähige Entwicklung zunichtemacht. Wer hier die berechtigte Frage nach dem „Qui bono?“ –„Wem nutzt das?“ stellt, könnte schnell als „Verschwörungstheoretiker“ bezeichnet werden.

Denn es war bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, als das rational-mechanistische Weltbild in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Die Wissenschaft stand vor einer Revolution: die Quantenphysik. Mit ihr hat sich wieder eine Brücke gebildet, eine Verbindung zwischen der wissenschaftlichen Sicht und spiritueller Erfahrung. Die neue Physik hat die Grundlage dafür geschaffen, die Wissenschaft vom rein materialistisch mechanischen Weltbild zu lösen und den Geist als Ursache aller Form und Materie wieder zu entdecken.

Doch nichts dergleichen passierte. Stattdessen verfuhr man wie gehabt: Die technisch-materialistischen Brosamen der neuen Physik wurden schnell umgesetzt, die geistig, philosophische und spirituellen Bedeutung noch schneller unter den Tisch gekehrt. Technisch finden wir die Umsetzung der Quantenphysik heute überall. Ob Mikrowelle, Funkwecker, jeder Laser, jedes Handy, jedes TV-Gerät und jeder Computer beruht auf ihren Gesetzen.

Während der letzten drei- bis vierhundert Jahre hat die Wissenschaft strikt zwischen Subjekt und Objekt getrennt. Die Erforschung der subatomaren Welt hat gezeigt, dass Energie und Materie nicht länger getrennte Einheiten sind und die Trennung zwischen Beobachter und dem, was beobachtet wird, aufgehoben ist.

Doch was sind die bahnbrechenden, revolutionären, unser rational-materialistisches Weltbild so fundamental erschütternden Erkenntnisse der neuen Physik?

Es gibt keine Materie

 „Im Grunde gibt es Materie gar nicht. Jedenfalls nicht im geläufigen Sinne. Es gibt nur ein Beziehungsgefüge, ständigen Wandel, Lebendigkeit. Wir tun uns schwer, uns dies vorzustellen. Primär existiert nur Zusammenhang, das Verbindende ohne materielle Grundlage. Wir könnten es auch Geist nennen. Etwas, was wir nur spontan erleben und nicht greifen können. Materie und Energie treten erst sekundär in Erscheinung – gewissermaßen als geronnener, erstarrter Geist“, erklärt der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr.

Doppelspalt-Experiment: Der Mensch beeinflusst Materie

Wenn man Atome, oder Photonen auf einen Doppelspalt schießt, dann haben Sie eine unerklärliche Eigenart: Sie zeigen unterschiedliche Verteilungs-Bilder auf der Rückwand hinter dem Spalt, je nachdem, ob ein Mensch/Beobachter anwesend ist oder nicht. Ohne Beobachter entsteht eine Wellenform, so als ob man Licht durch die Spalte geschickt hätte, mit Beobachter zeigen Sie eine Verteilung, als ob man Materieteilchen (z.B. Golfbälle) durch die Schlitze geschickt hätte.

Das Verhalten der Teilchen hängt also davon ab, ob ein Mensch hinschaut oder nicht. Wenn das Phänomen von einem Menschen beobachtet wird, dann verhalten Sie sich wie Materie-Teilchen (Golfbälle), wenn kein Mensch daneben steht und hinschaut, dann verhalten sie sich wie Licht-Wellen. Die Wissenschaftler streiten sich seit 100 Jahren um eine Erklärung.

Die Erkenntnis: Der Beobachter nimmt durch seine Beobachtung Einfluss auf die Materie. Der Beobachter bringt die Wellenfunktion des Elektrons durch seine Beobachtung zum kollabieren (zusammenbrechen). Mit der Teilchen-Welle-Kom­ple­men­tarität ist das strikte Entweder-Oder-Prinzip und damit die rational-logische Erklärbarkeit der Welt an grundsätzliche Grenzen gestoßen.

Verschränkung. Wir sind miteinander verbunden

Darüber hinaus ist die Quantenverschränkung eines der Hauptaugenmerke der Quantenphysik. Einstein nannte diese „spukhafte Fernwirkung“. Zwei Teilchen, die am gleichen Ort und zur gleichen Zeit entstanden sind, sind auf Dauer miteinander verbunden. Dabei spielt es keine Rolle, wie weit die beiden Teilchen sich voneinander entfernen. Die Beobachtung eines Teilchens beeinflusst dabei augenblicklich den Zustand des anderen Teilchens. Dieses Phänomen bezeichnen Quantenphysiker als Verschränkung.

Man könnte auch sagen: Wir sind alle miteinander verbunden, weil wir alle aus demselben Stoff bestehen. Man spricht von nichtlokaler Kommunikation z. B. Gedanken-Gedanken-Kommunikation (Telepathie). Carl Gustav Jung bezeichnetet dieses Phänomen als Synchronizität – sinngemäße Koinzidenz.

Heisenbergs Unschärferelation: Was wir glauben, verändert die Realität

Die Heisenberg`sche Unschärferelation sagt aus: Ein Quant lässt sich nur entweder als Welle oder als Teilchen messen. Die Ungenauigkeit, genannt „Unschärfe“ wird durch einen Faktor namens „Planck`sches Wirkungsquant“ bestimmt. Vor dem Messvorgang muss sich der Wissenschaftler also „entscheiden“, ob er es entweder als Masse oder als Energie wahrnehmen will(!). Dabei ist die Energie mit ihrem Wellencharakter identisch mit Information = Bewusstsein. Was wir daraus lernen ist, dass wir mit dem, was wir glauben (erwarten) die Realität verändern können.

Der Masse-leere Raum: 99,99 Prozent Möglichkeiten

Das Bild eines Atoms stellt sich folgendermaßen dar: Stellen wir uns den Atomkern als Fußball vor, dann kreist das Elektron in etwa zehn Kilometer Entfernung drum herum. Das heißt: Der Masse-leere Raum der Atome (der 99,99 % ausmacht) ist voll mit Energie und Information in Form von Möglichkeiten / Virtualität (Kopenhagener Deutung). Das Meer der Möglichkeiten wartet darauf von Bewusstsein (also Lebewesen) in die Realität geschaltet zu werden.

Das Schlusswort hat Max Planck, Begründer der Quantenphysik und Nobelpreisträger zum Thema Geist und Materie:

„Meine Herren, als Physiker, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, der Erforschung der Materie widmete, bin ich sicher von dem Verdacht frei, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich nach meinen Erforschungen des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Alls zusammenhält. Da es im ganzen Weltall aber weder eine intelligente Kraft noch eine ewige Kraft gibt – es ist der Menschheit nicht gelungen, das heiß ersehnte Perpetuum mobile zu erfinden – so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen.

Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie. Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre! Da es aber Geist an sich ebenfalls nicht geben kann, sondern jeder Geist einem Wesen zugehört, müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selber sein können, sondern geschaffen werden müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer ebenso zu benennen, wie ihn alle Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott! Damit kommt der Physiker, der sich mit der Materie zu befassen hat, vom Reiche des Stoffes in das Reich des Geistes. Und damit ist unsere Aufgabe zu Ende, und wir müssen unser Forschen weitergeben in die Hände der Philosophie.“