Über mich

 

….und den kleinen Prinzen

 

Den Weg gehen: Utz Paul Karpenstein

„Die Kinder allein wissen, was sie suchen“, sagte der kleine Prinz. „Sie verlieren ihre Zeit an eine Puppe aus Flicken und sie wird für sie sehr wichtig, und wenn man sie ihnen wegnimmt, weinen sie…“ „Sie haben Glück“, sagte der Weichensteller.                                                                                                       Antoine de Saint-Exupery in „Der kleine Prinz“

Dieses Glück hatte auch ich. Auch meine „Puppe aus Flicken“, mein geliebter Teddy, wurde mir eines Tages weggenommen… und ich weinte. Aber an Heiligabend lag mein Teddy wieder unter dem Weihnachtsbaum, bei all den anderen Geschenken. Meine Mutter hatte die Nase und die vier Pfötchen gestopft aus denen schon die Holzwolle hervorquoll. Wenn ich heute daran zurückdenke, war es das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens.

Für mich ist die „Puppe aus Flicken“, ein Bild für die immer löchriger werdende Verbindung zum All-Eins-Sein, zur Quelle, zu Gott. Eine Verbindung, die Kinder noch spüren und nicht vergessen wollen. Die allumfassende, bedingungslose Liebe, die wir später als unstillbare Sehnsucht empfinden.

So lässt Antoine de Saint-Exuperys  den Weichensteller erzählen, wie alle in den „beleuchteten Schnellzug“ des Lebens einsteigen und vergessen haben, dass sie nicht vergessen wollten: „Sie schlafen darin oder sie gähnen. Nur die Kinder drücken sich ihre Nasen an den Scheiben platt.“

Ein Teil in mir…

Die „Vorbereitung“ auf das Leben beginnt:  Bei mir waren es Volksschule, Handelsschule, Wirtschaftsgymnasium, Abendgymnasium. Berufliche Stationen folgten: Ausbildung zum Verlagskaufmann, Volontariat zum Redakteur, Reisejournalist, Tageszeitungsredakteur für Politik und Wirtschaft. Textchef, Chefredakteur, Geschäftsführer einer internationalen PR-Agentur. Zuletzt war ich 20 Jahre als Unternehmensberater für Kommunikation und strategische Öffentlichkeitsarbeit selbständig unterwegs.

In dieser Zeit als Mensch, Journalist und Unternehmensberater bin ich vielen Menschen über den Weg gelaufen: Unternehmern, Managern, Wissenschaftlern, Politikern, Künstlern und vielen anderen Menschen. Darunter bekannte und weniger bekannte Namen. Doch in prägender Erinnerung sind mir die geblieben, die einen verschütteten spirituellen Teil, in mir angesprochen haben. Das Kind in mir, das sich die Nase an der Fensterscheibe des hell erleuchteten Schnellzuges plattgedrückt hat, konnte diese Menschen sehen…

Eine Lebenskrise und Leid, ausgelöst durch eine Jahrzehnte kultivierte Alkoholsucht in der chronischen Phase, hat mir keine Wahl gelassen. Damals hat mir Zen-Meditation und Jon Kabat-Zinns „Body-Scan“ geholfen, Körper, Geist und Seele wieder zu vereinen und in mir den “Gottesfunken“ zu spüren. Plötzlich konnte ich in jeder Zelle meines Körpers spüren, dass ich meine Sehnsucht nicht in der Sucht befrieden kann. Dafür bin ich zutiefst dankbar.

Ich gehe jetzt „meinen Weg“. Es war und ist mein wahrer Weg, und ich bin mir nicht mal sicher, ob ich ihn mir wirklich aussuchen konnte. Ich weiß nur, dass ich ihn gehen muss oder besser darf, weil es „so ist“ und es sich gut und richtig anfühlt.

Ein sanfter Flügelschlag…

Seitdem meditiere ich zweimal täglich morgens und abends, genieße die offenen, oft stundenlangen Gespräche in meinem spirituellen Freundeskreis, und mit vielen, vielen interessanten Menschen. Eine Zeit lang empfand ich meine Meditationen als Schwingung, als ein Dahingleiten in der Luft mit sanftem Flügelschlag. In Richard Bachs „Die Möwe Jonathan“ stieß ich – sicher nicht zufällig – auf die letzten Worte des Weisen Chiang: „Jonathan, erlerne die Liebe“. Seitdem ist dies zu meiner Lebensaufgabe geworden.

Ein Stück weit habe ich zurückgefunden zu meinem inneren Kind, zur Ahnung und manchmal auch zum Wissen, um die Suche, die Sehnsucht, um das All-Eins-Sein… Auch wenn ich meine Zeit an meine „Puppe aus Flicken“, verliere, weiß ich tief im Herzen, dass sie nicht verschwendet ist und ich alles Glück dieser Welt gefunden habe…